Zuwachs im Falkennest – Dennis Schröder wird besser schnell erwachsen!

Hawks at Wizards 5/9/15

Teague geht, Howard kommt – Die Veränderungen bei den Atlanta Hawks deuten auf eine größere Rolle für Dennis Schröder hin. Aber tun die beiden spätpubertären Basketball-Talente „Dennis the Menace“ und „Superman“ sich und Georgias NBA-Franchise wirklich gut? Ein Gleichnis.

 

Die Hawks setzen auf Dennis Schröder – das haben die Ereignisse der letzten Wochen deutlich gemacht. Der Deal mit den Indiana Pacers und den Utah Jazz, der Hawks-PG Jeff Teague in den mittleren Westen verfrachten wird, ist auch als symbolisches Schulterklopfen für den ehemaligen Friseur aus Braunschweig zu verstehen.

 

Das ist auch durchaus zu verteidigen. Dennis konnte seine guten Stats aus dem Vorjahr nochmal verbessern –  sowohl pro Spiel, als auch pro 36 Minuten. Im Alter von gerade mal 22 Lenzen punktet Deutschlands nächste Basketball-Hoffnung zweistellig (11.0 PPG) und verteilt 4.4 Assists in gerade etwas mehr als 20 Minuten auf dem Parkett.

 

All das sollte mich freuen, oder? Der bisherige Erfolg, die wachsende Verantwortung für Schröder – wenn nicht aus zweifelhaft-sportpatriotischen Gründen für Basketball-Deutschland, dann doch wegen der unfassbaren Story, wegen des Basketball-Märchens, oder?!

 

Ich kann mich aber nicht unbefangen freuen. Vielmehr ist da eine Anspannung, ein Luftanhalten, Zweifel gepaart mit – zugegebenermaßen – einer gehörigen Portion niederträchtigem Voyeurismus. Die Frage „Geht das gut?“ geistert mir durch den Kopf, wenn ich an die Hawks in den kommenden Jahren denke. Es ist das gleiche Gefühl, das jemanden erschleicht, wenn entfernte Bekannte ihren Kinderwunsch einige wenige Jahre zu früh in die Tat umsetzen.

Denn, ähnlich wie diese fiktiven Jungeltern, muss Dennis Schröder nun endgültig erwachsen werden. Schluss mit Instagram-Posts im Dan-Bilzerian-Style, Schluss mit #TheGoldenPatch, Schluss mit dem Traum von der eigenen Shisha Bar. Am liebsten würde ich eigenhändig die Fenster der „The DS#17 Lounge“ vernageln und die blonde Trikotnummer im Haupthaar des Nationalspielers überfärben.

 

Swag aufdrehen ist vorbei, ab jetzt werden die Hosen für große Jungs angezogen.

 

Klar, es wird noch andere Leader im Team der Hawks geben. Unabhängig von der Zukunft eines Al Hoford, sind da ja immer noch die Veteranen Paul Millsap und Kyle Korver, die die Kabine bei den Falken zusammenhalten werden. Trotzdem: auf dem Court wird Schröder in der Rolle des Aufbauspielers den sprichwörtlichen Hut aufhaben. Die Zeiten, in denen er als personifizierte Mikrowelle und Monopoly-Risiko-Karte von der Bank den Job des Teague-Entlasters erledigte, sind nun vorbei.

 

Hinzu kommt, dass auch das Falkennest Nachwuchs erwartet, der vieles auf den Kopf stellen dürfte: Dwight Howard, geboren und aufgewachsen in Atlanta, kehrt zurück in die Heimat und verstärkt (?) die Truppe von Coach Budenholzer.

 

Was bedeutet das für Dennis Schröder? Eine Antwort aus sportlicher Sicht könnte so aussehen: Die Verpflichtung des Big Man zwingt den Youngster, sein Spiel noch breiter aufzustellen und vor allem geduldiger zu agieren. Nach mal wieder etwas kopfloser Penetration wird es diese kleinen Bail-Out-Pässe entlang der Baseline auf die Langen nicht mehr geben. Stattdessen wird Howard wohl eher um und in der Zone zu finden sein, wo er auch nicht gerade für sein kluges Mitdenken bei der Offensiv-Rotation bekannt ist. Auch das Pick-and-Roll mit D12 wird ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Arbeit des Nationalspielers, wo sein Wurf aus dem Dribbling deutlich gefährlicher und seine Entscheidungen beim Zug zum Korb noch besser werden müssen.

 

Aber das ist alles gar nicht der Punkt. Ich traue Schröder diese spielerische Entwicklung zu. Auch die Neugeburt einer Howard-Karriere, die in der nahen Vergangenheit vor allem von Rückenproblemen, TMZ und Social-Media-Fehltritten in variierender Reihenfolge geprägt war, ist innerhalb meines Vorstellungshorizontes. Es sind die Angelegenheiten abseits des Parketts, die mich zweifeln lassen.

 

Howard ist schon als pädagogischer Sonderfall der Association zu bezeichnen. Ein häufig albernes und nicht selten bockiges Spielkind, das vor allem durch das Hinterlassen von verbrannter Erde auf sich aufmerksam machte: Orlando erpresst, Los Angeles ruiniert, Houston frustriert – jetzt also Atlanta.

 

Schröder muss klar sein, was da aller Voraussicht nach auf ihn zukommt. Sieht Howard nicht eine ihm als ausreichend escheinende Anzahl an Bällen im Post, stellt er auf der anderen Seite des Courts den Dienst ein. Allerdings belässt er es nicht bei dieser non-verbalen Verkündung seines Unmutes, sondern bedient sich auch gerne dem Sprachrohr der klassischen und neuen Medien, um seinem Ärger Luft zu machen. Bisher konnte der ehemalige DPOY nicht beweisen, dass Teamzusammenhalt und kollektiver Erfolg ganz oben auf seiner Agenda stehen. Kann Schröder die nötige Souveränität ausstrahlen, um damit fertig zu werden?

 

Vielleicht kommt alles aber auch ganz anders. Die Verpflichtung von Dwight Howard muss für die Hawks und Schröder gar nicht mit Kopfschmerzen enden. Vielleicht sind der Guard aus Niedersachsen und der Südstaaten-Center ja auch die neue deutsch-amerikanische Traumpaarung nach Nash/Nowitzki. Highlights, Playoff-Runs, gemeinsame Abende in Schröders Bar…

 

So oder so, die Hawks dürften 2016/2017 Schlagzeigen liefern. Wo und welche, bleibt abzuwarten.

 

Jetzt muss ich aber schließen, mein Popcorn brennt sonst an.

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